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Wetterspruch des Tages
Nach Servaz kommt kein Frost mehr her, der dem Rebstock gefährlich wär’.

Das Wetterthema

herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am 13.05.2026

Wissenschaft kompakt

Wo ist der Polarjet hin?



Der Polarjet weht als kräftiges Westwindband in einigen Kilometern
Höhe und beeinflusst unser Wetter maßgeblich. Warum er in einer
speziellen Darstellung plötzlich verschwunden ist, klären wir heute.



In vielen vergangenen Themen des Tages wurde das starke Westwindband,
das die Arktis in etwa 5 km Höhe umläuft, erwähnt. Die Rede ist vom
Polarjetstream. Er hat einen immensen Einfluss auf unser Wetter in
Deutschland und lenkt es gewissermaßen von oben. Heute wollen wir uns
ein wenig mit ihm beschäftigen.
Grundsätzlich entsteht er durch die großen Temperaturunterschiede
nördlich und südlich von ihm. Dort wo die kalten polaren und die
wärmeren Luftmassen aus den mittleren Breiten aufeinandertreffen,
bildet sich in der Höhe dieser starke (West-)Windstrom.
Nun wollen wir uns eine zugegebenermaßen schon etwas in die Jahre
gekommene Grafik anschauen.
Hier sehen wir auf der x-Achse die geographische Breite. Die linke
Hälfte ist die Südhalbkugel und die rechte die Nordhalbkugel. Auf der
y-Achse ist die Höhe aufgetragen. Die Höhenangabe ist etwas
gewöhnungsbedürftig in 100-hPa-Schritten angegeben. Das heißt, es
fängt bei 1000 hPa (etwa Bodenniveau) an und geht hinauf bis über 200
hPa (~12 km). Die beschrifteten Linien geben den gemittelten zonalen
Wind an. Hier ist wichtig zu beachten, dass nur(!) der zonale Anteil
- also der Anteil des Windes, der in Ost-/Westrichtung zeigt -
betrachtet wird. Durchgezogene Linien stehen für Westwinde (positive
Zahlenbeschriftung) und gestrichelte für Ostwinde (negative
Zahlenbeschriftung) und sind mit Werten in Metern pro Sekunde
versehen. Soweit so gut, jetzt fehlt nur noch die Erklärung, warum
drei dieser Diagramme direkt untereinander zu sehen sind. Das ist
eine Einteilung in verschiede Zeiträume. Das oberste Diagramm
betrachtet das Mittel über ein ganzes Jahr. Das mittlere Diagramm
verwendet dagegen nur die Wintermonate und das unterste Diagramm nur
die Sommermonate. So kann eine jahreszeitliche Veränderung der Winde
untersucht werden.
Betrachten wir mit diesem Wissen die Diagramme, werden Windmaxima
wunderbar ersichtlich. Dort wo sich die eingezeichneten Linien mit
der höchsten Zahl (= Windgeschwindigkeit) befinden, liegt
augenscheinlich ein Jetstream. Beschränken wir uns einfachheitshalber
nur auf die Nordhalbkugel. Das Windmaximum von 25 m/s im jährlichen
Mittel findet sich ungefähr zwischen 30 und 35 °N und auf einer Höhe
von etwa 200 hPa. Wenn nur der Winter betrachtet wird, liegt das
Maximum etwas weiter südlich und ist deutlich stärker. Das passt zu
unserem Verständnis, denn im Winter sind die Temperaturunterschiede
zwischen Nord und Süd größer und daher auch der resultierende
Jetstream. Im Sommer dagegen verschiebt sich das Ganze Gebilde nach
Norden und schwächt sich ab.
Jetzt könnte dieses Thema des Tages zum Ende kommen, doch dem
aufmerksamen Leser wird vielleicht etwas spanisch vorkommen. Im
ersten Absatz steht doch, dass der Jet in einer Höhe von 5 km und
nicht in 12 km zu finden ist. Außerdem liegt der 30. Breitengrad in
den Subtropen. Länder wie China, Ägypten, Algerien, Marokko oder
Mexiko befinden sich dort, aber Europa liegt viel weiter nördlich.
Die einzige Erklärung ist: Wir haben den falschen Jet identifiziert.
Tatsächlich ist das so schön ersichtliche Starkwindband der
sogenannte Subtropenjet, der dadurch entsteht, dass Luft in großer
Höhe vom Äquator wegströmt und abgelenkt wird.
Jetzt bleibt nur noch die Frage zu klären, was wir mit unserem
verschwundenen Polarjet machen. Die Krux liegt darin, dass in den
Diagrammen nur die zonalen Winde betrachtet werden. Wir wissen
jedoch, dass unser Jetstream dazu neigt, komplizierte Wellenmuster zu
bilden und dadurch oft in Nord-/Südrichtung zeigt. Das führt dazu,
dass er in diesen gemittelten Grafiken nicht zu sehen ist. Wenn alle
Windrichtungen miteinbezogen werden würden, müsste er sich zwischen
40 und 60 °N auf einer Höhe von etwa 500 hPa befinden.
Wer eine schöne Animation der weltumspannenden Strömungen in
unterschiedlichen Höhen anschauen will, dem sei die Internetseite
https://earth.nullschool.net/ ans Herz gelegt. Dort kann man sich
durch verschiedene Höhen und Parameter klicken und ansprechend
animiert die Ergebnisse betrachten.


M.Sc. Fabian Chow

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.05.2026

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