Wetter aktuell
Tauwetter und Hochwasser?
Ab der Nacht zum Mittwoch setzt in einigen Regionen starkes Tauwetter
ein. Welche meteorologischen und hydrologischen Faktoren bestimmen
dabei, wie viel Schmelzwasser tatsächlich in die Flüsse gelangt?
Die zweite Februarwoche startete weitgehend mit ruhigem und nach
Südwesten hin auch mit mildem Winterwetter. Verantwortlich dafür war
HOCH EMMERAM, welches am gestrigen Montag mit seinem Schwerpunkt über
dem Baltikum lag. EMMERAN hat sich nun aber unter allmählicher
Abschwächung zum Schwarzen Meer verlagert. Gleichzeitig erfasste uns
bereits am Morgen die Okklusionsfront eines Tiefs bei den Britischen
Inseln. Damit kamen bereit in der Früh im Südwesten die ersten
Regenfälle auf. Größere Niederschlagsmengen kommen dadurch aber
zunächst einmal nicht zustande.
Dies ändert sich jedoch in der kommenden Nacht: Dann greift bereits
das teilokkludierte Frontensystem eines neuen Tiefs mit Kern
nordwestlich von Irland auf den Südwesten des Landes über. Dabei
setzen im Schwarzwald gegen Mitternacht, verstärkt durch einen
herannahenden markanten Randtrog, kräftige Regenfälle ein. Aufgrund
der sehr milden Luftmasse setzt im Hochschwarzwald Tauwetter ein.
Dort liegen oberhalb von etwa 900 Metern 10 bis 30 Zentimeter Schnee,
auf den Gipfeln, wie beispielsweise auf dem Feldberg rund 50
Zentimeter. Die tieferen Lagen sind allerdings überwiegend
schneefrei, was die mögliche Hochwassersituation etwas entspannt.
Die Niederschläge halten am Mittwoch insbesondere im Schwarzwald
tagsüber an. Am Abend ist voraussichtlich mit einer kurzen
Unterbrechung zu rechnen, bevor in der zweiten Nachthälfte erneut
kräftige Regenfälle einsetzen. Mit diesem zweiten Niederschlagsschub
werden voraussichtlich die Staulagen des Nordschwarzwaldes die
größten Niederschlagssummen erhalten. Dort wird bis zu diesem
Zeitpunkt jedoch selbst in den Hochlagen kein Schnee mehr liegen.
weshalb sich dort insgesamt nicht ganz so hohe Abflussmengen ergeben.
Die Niederschläge halten auch am Donnerstag weiter an. Erst in der
Nacht auf Freitag schwächen sie sich ab und gehen allmählich wieder
in Schnee über. Insgesamt werden im Schwarzwald bis Freitagnacht
verbreitet 40 bis 80 Liter pro Quadratmeter erwartet. In einigen
exponierten Staulagen sind sogar Mengen von über 100 l/qm möglich.
Welche Faktoren spielen neben der Niederschlagsmenge und der
Schneehöhe eine Rolle bei der Einschätzung des Hochwasserpotenzials?
Ein wichtiger Punkt ist der Wassergehalt der Schneedecke. Frisch
gefallener Neuschnee besitzt einen Wassergehalt von lediglich 0,5 bis
1,5 Millimetern pro Zentimeter, feuchter Altschnee hingegen von 3,0
bis 5,0 Millimetern pro Zentimeter. Dies spielt insbesondere bei
einer verbreiteten, dicken Schneedecke eine große Rolle. Zudem ist
entscheidend, ob die Schneedecke vollständig wegtaut oder nur
teilweise, da sie Regenwasser bis zu einer bestimmten Menge aufnehmen
kann. Taut die Schneedecke jedoch vollständig ab und ist der Boden
zusätzlich aufgrund einer vorangegangenen kalten Witterungsperiode
bis in tiefere Schichten gefroren, gelangt das gespeicherte Wasser
direkt in die Flüsse und kann zu Hochwasser führen.
Außerdem sind bei einem Tauwetterereignis auch die Feuchttemperatur
und der Wind von Bedeutung. Setzt Tauwetter bei einer sehr milden und
feuchten Luftmasse mit kräftigem Wind ein, taut die Schneedecke
deutlich schneller ab. Dies führt zu einem erhöhten Wasserangebot
innerhalb kurzer Zeit. Entscheidend, insbesondere für Hochwasser an
kleineren Flüssen, ist zudem, ob der Dauerregen von Unterbrechungen
begleitet wird oder ob es über einen längeren Zeitraum ohne
Unterbrechung kräftig regnet.
Darüber hinaus spielen auch nicht-meteorologische Faktoren eine
wichtige Rolle. Dazu zählen zum einen die Topographie der Region, zum
anderen aber auch der Versiegelungsgrad sowie die Art der Vegetation
im Einzugsgebiet eines Flusses.
Analysieren wir diese Faktoren nun für das bevorstehende Ereignis:
Schnee ist insgesamt nur in geringem Umfang vorhanden und beschränkt
sich auf die Hochlagen des Hochschwarzwaldes. Dabei handelt es sich
überwiegend um feuchten Altschnee, der in diesem relativ kleinen
Gebiet voraussichtlich vollständig abschmelzen wird. Weitere
Faktoren, die für Hochwasser sprechen, sind die hohen
Feuchttemperaturen sowie der stürmische Südwestwind. Allerdings wird
es im Zeitraum von etwa 48 Stunden nicht durchgehend zu Niederschlag
kommen; am Mittwochabend ist eine Niederschlagspause zu erwarten.
Hinzu kommt, dass die Böden nicht gefroren sind und aufgrund einer
zuvor eher trockenen Witterungsphase aufnahmefähig bleiben.
Letztlich spielt auch die Topographie eine Rolle: Durch die teils
bergige Landschaft ist die Region grundsätzlich anfällig für schnell
ansteigende Flusspegel. Allerdings ist die Bebauung und Versiegelung
im Schwarzwald vergleichsweise gering, was einer hohen Gefährdung
entgegen wirkt.
Insgesamt lässt sich daraus schließen, dass in den kommenden Tagen im
Schwarzwald deutlich steigende Flusspegel zu erwarten sind. Örtlich
kann es zu Überflutungen kommen, und an kleineren Flüssen im
Südschwarzwald ist auch Hochwasser möglich. Eine größere,
überregionale Hochwasserlage wird jedoch nach heutigem Stand nicht
erwartet!
M.Sc. Met. Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.02.2026
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