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Wetterspruch des Tages
Ist Sankt Vinzenz Sonnenschein, gibt es viel und guten Wein.

Das Wetterthema

herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am 05.04.2026

Wissenschaft kompakt

Geschichte der Meteorologie ? Teil 2: Meteorologie im letzten
Jahrtausend vor der christlichen Zeitenwende



Das heutige Thema des Tages behandelt Teil 2 der Geschichte der
Meteorologie und ist damit die Fortsetzung der Entwicklung der
Meteorologie in den Hochkulturen des Altertums. Wesentliche
meteorologische Erkenntnisse gelangen besonders im antiken
Griechenland sowie im alten China und Indien.



Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie ging es um
die Ursprünge der Meteorologie, die in der Wetterbeobachtung zu
finden sind, zu ersten zarten Weiterentwicklungen und Deutungen in
den verschiedenen Hochkulturen. Astronomische und meteorologische
Kenntnisse wurden oft zusammenhängend genannt (Astrometeorologie) und
waren eng mit religiösen Vorstellungen verwoben.

Blicken wir zunächst auf den europäischen Kulturkreis. Die ersten
wissenschaftlichen Erkenntnisse stammen von den Ägyptern und den
Mesopotamiern. Diese wurden von den Griechen und den Persern
übernommen. Aus dem alten Perserreich sind wissenschaftliche
Erkenntnisse aus der Mathematik, Architektur und der Hydrologie
überliefert. So wurde für semi-aride und aride Gebiete ein System des
Wassertransports entwickelt, das Bewässerungsfeldbau ermöglichte. Das
Grundwasser lag im Bereich von Siedlungen oft in zu großer Tiefe für
den damaligen Brunnenbau. In Gebirgen war die Grundwasserschicht
leichter anzuzapfen und so wurden leicht aufwärts führende
unterirdische Kanalsysteme, Qanate genannt, in die Berghänge
getrieben, die das dortige Grundwasser anzapfen konnten. Hilfreich
waren hierfür Niederschläge in Form von Steigungsregen, welche in der
Folge in die Grundwasserschicht versickern. Vertikale Zugschächte
förderten das Sickerwasser zum weiter unten liegenden Qanat-Kanal und
von dort zu dessen Austrittsstelle in Tal- und Siedlungsnähe. Auch im
angrenzenden Zentralasien hatten dortige Kulturen gewisse
wissenschaftliche Erkenntnisse, die Forschung dort ist jedoch bisher
vergleichsweise nicht weit fortgeschritten. Explizite chronologisch
nächste meteorologische Überlieferungen stammen aus dem antiken
Griechenland.

Das Gedicht ?Werke und Tage? des griechischen Dichters Hesiod, der um
700 v. Chr. lebte, stellte eine Art Bauernkalender in Versform dar.
Darin brachte er astronomische Ereignisse mit bestimmten
Wetterphänomenen in Verbindung. So schrieb er beispielsweise: "Wenn
die Plejaden in das neblige Meer tauchen, um der rohen Kraft des
Orion zu entkommen, dann toben wahrlich Stürme aller Art" (dies
geschieht Ende Oktober oder Anfang November), und dass "fünfzig Tage
nach der Sonnenwende ? die Zeit der drückenden Hitze zu Ende geht".
Solche Beobachtungen könnten als eine der frühesten Formen
klimatologischer Forschung angesehen werden. "Werke und Tage" steht
am Anfang einer Tradition griechischer und römischer Werke, oft in
Form von Kalendern, die astronomische Phänomene mit dem Wetter in
Verbindung brachten.

Etwa 600 v. Chr. galt der griechische Naturphilosoph Thales von Milet
(um 625?um 545 v. Chr.) möglicherweise als der erste griechische
Meteorologe. Ihm wird die Abgabe saisonaler Ernteprognosen
nachgesagt. Dem griechischen Philosophen Anaximander (610?546 v.
Chr.) wurde bescheinigt, meteorologische Phänomene bzw. die
Meteorologie selbst in die Philosophie eingebracht zu haben, was als
Grundlage nachfolgender Naturforscher gedient haben könnte. Seine
Werke sind jedoch verschollen.

Etwa 400 v. Chr. gibt es Hinweise darauf, dass der griechische
Philosoph Demokrit (um 460?um 370 v. Chr.) Wetteränderungen
prognostizierte und diese Fähigkeit nutzte, um die Menschen davon zu
überzeugen, dass er auch andere zukünftige Ereignisse vorhersagen
könne.

Im selben Zeitraum verfasste der griechische Mediziner Hippokrates
von Kos (um 460?um 370 v. Chr.) antike medizinische Texte, die als
Corpus Hippocraticum zusammengefasst wurden. Eine Abhandlung mit dem
Titel "Über Luft, Wasser und Orte", stellt das früheste bekannte Werk
dar, das sich mit dem Wetter befasst. Allgemeiner gesagt handelt der
Textinhalt über häufige Krankheiten, die an bestimmten Orten, zu
bestimmten Jahreszeiten, bei bestimmten Wind- und unter bestimmten
Luftverhältnissen auftreten. Überliefert ist: "Wer sich ernsthaft mit
der Medizin befassen will, sollte zunächst die Jahreszeiten
betrachten und die Wirkungen, die jede von ihnen hervorruft; denn sie
sind nicht alle gleich, sondern unterscheiden sich in ihrem Einfluss
erheblich voneinander. Als Nächstes sollte man die Winde, die Hitze
und die Kälte untersuchen, insbesondere jene Faktoren, die allen
Ländern gemeinsam sind, und dann jene, die für jeden Ort spezifisch
sind."

340 v. Chr. schrieb der griechische Philosoph Aristoteles (384?322 v.
Chr.) "Meteorologica", ein vierbändiges Werk, das den damaligen
Wissensstand in den Geowissenschaften, einschließlich Wetter und
Klima, zusammenfasst. Es ist das erste bekannte Werk, das versucht,
ein breites Spektrum meteorologischer Themen zu behandeln und stellt
damit die älteste umfassende Abhandlung zum Thema Meteorologie dar.
Die Bände 1 bis 3 wenden Erklärungsmethoden an, die verschiedene
Phänomene als eine Wechselwirkung von Kräften in einem natürlichen
System erklären. In Band 4 werden die Eigenschaften und Auswirkungen
von Wärme und Kälte auf organische Prozesse untersucht. Zum ersten
Mal wurden Niederschläge und die Wolken, aus denen sie fallen, als
?Meteoren? bezeichnet ? ein Begriff, der vom griechischen Wort
"meteoros" stammt, was so viel wie "hoch am Himmel" bedeutet. Von
diesem Wort leitet sich der moderne Begriff "Meteorologie" ab, die
Lehre von den Wolken und dem Wetter.

Auch wenn der Begriff ?Meteorologie? heute als Bezeichnung für ein
Teilgebiet der Atmosphärenwissenschaften verwendet wird, ist
Aristoteles' Werk allgemeiner gehalten. Die ?Meteorologica? stützt
sich auf Intuition und einfache Beobachtung, nicht jedoch auf das,
was heute als wissenschaftliche Methode gilt. Mit seinen eigenen
Worten zusammengefasst, umfasst der Inhalt "alle Eigenschaften, die
wir als der Luft und dem Wasser gemeinsam bezeichnen können, sowie
die Arten und Teile der Erde und die Eigenschaften ihrer Teile".
Kapitel in den vier Bänden gibt es zu den vier Elementen (Luft,
Feuer, Erde, Wasser), Sternschnuppen und Kometen sowie die
Milchstraße, Polarlichter (Aurora borealis), Entstehung von Wolken
und Regen, Nebel, Tau, Schnee, Hagel, Wind, Küstenerosion, Ozean,
Salzgehalt des Meeres, Erdbeben, Donner und Blitz, Wirbelstürme,
Halos und Regenbogen, Hitze und Kälte, Feuchtigkeit und Trockenheit.
Auch die Eigenschaften von Tornados werden beschrieben. Eine der
beeindruckendsten Errungenschaften in der Meteorologie ist seine
Beschreibung dessen, was heute als Wasserkreislauf bekannt ist: "Nun
setzt die Sonne durch ihre Bewegung Prozesse des Wandels, des
Entstehens und des Verfalls in Gang, und durch ihr Wirken wird das
feinste und süßeste Wasser jeden Tag emporgetragen, löst sich in
Dampf auf und steigt in die oberen Schichten auf, wo es durch die
Kälte wieder kondensiert und so zur Erde zurückkehrt. Ebenso sollte
jemand, der in eine ihm unbekannte Stadt kommt, deren Lage im
Hinblick auf die vorherrschenden Winde und den Sonnenaufgang
berücksichtigen; denn ihr Einfluss ist nicht derselbe, je nachdem, ob
sie nach Norden oder Süden ausgerichtet ist oder ob sie der
aufgehenden oder der untergehenden Sonne zugewandt ist."

In der pseudo-aristotelischen Abhandlung "De Mundo", welche nach 322
v. Chr. abgefasst wurde, heißt es: "Eine Wolke ist eine dampfartige
Masse, die sich verdichtet und Wasser bildet. Regen entsteht durch
die Kompression einer dicht verdichteten Wolke, wobei die Stärke des
Regens vom auf die Wolke ausgeübten Druck abhängt; bei geringem Druck
fallen sanfte Tropfen; bei starkem Druck kommt es zu einem heftigeren
Niederschlag, den wir als Schauer bezeichnen, da er stärker ist als
gewöhnlicher Regen und sich als kontinuierliche Wassermassen über die
Erde ergießt. Schnee entsteht durch das Aufbrechen verdichteter
Wolken, wobei die Spaltung bereits vor der Umwandlung in Wasser
stattfindet; es ist dieser Spaltungsprozess, der ihm seine
schaumartige Beschaffenheit und sein strahlendes Weiß verleiht,
während die Ursache für seine Kälte im Gefrieren der darin
enthaltenen Feuchtigkeit liegt, bevor diese sich verteilt oder
verdünnt. Wenn der Schnee heftig ist und stark fällt, nennen wir es
einen Schneesturm. Hagel entsteht, wenn sich Schnee verdichtet und
durch seine dichte Masse an Schwung für einen schnelleren Fall
gewinnt; das Gewicht nimmt zu und der Fall wird umso heftiger, je
größer die abgebrochenen Wolkenfragmente sind. Dies sind also die
Phänomene, die als Folge feuchter Ausdünstung auftreten."

Einige Jahre nach Aristoteles' Werk verfasste sein Schüler, der
griechische Naturforscher und Philosoph Theophrastos von Eresos (um
371?um 287 v. Chr.) ein Buch über Wettervorhersagen mit dem Titel
"Das Buch der Zeichen". Darin wurden verschiedene Anzeichen wie
Sonnen- und Mondhalos, die von hohen Wolken gebildet werden, als
Mittel zur Wettervorhersage vorgestellt. Die gemeinsamen Werke von
Aristoteles und Theophrastos genossen eine solche Autorität, dass sie
fast 2000 Jahre lang den größten Einfluss auf die Erforschung von
Wolken, Wetter und Wettervorhersagen hatten.

Aus dieser Zeit sind auch Zeichnungen von Windrosen entstanden. Heute
kennt man allerdings nur deren Beschreibungen in den Werken, wieviele
Winde es gibt und aus welcher Richtung sie wehen. Keine
zeitgenössische antike Zeichnung einer Windrose hat überlebt.

Allerdings gibt es Objekte aus Stein, die einer Windrose entsprechen.
Das bekannteste ist der achteckige Turm der Winde in Athen aus dem 1.
Jahrhundert vor Christus. Acht Reliefs zeigen die verschiedenen
Windgottheiten der vier Haupt- und vier Nebenwinde mit einem
Attribut, das auf den Charakter des Windes hinweist. Beispielsweise
ist Boreas, der Windgott des Nordens, als bäriger Mann mit Mantel
dargestellt, der in eine Muschel bläst.

Um 250 v. Chr. erforschte der griechische Mathematiker und Physiker
Archimedes von Syrakus (um 287?212 v. Chr.) die Konzepte des
Auftriebs und des hydrostatischen Prinzips. Positiver Auftrieb ist
für die Entstehung von Konvektionswolken (Cumulus und Cumulonimbus)
unerlässlich.

Der bedeutendste der griechischen Astronomen, Hipparchos von Nicäa
(um 190?um 120 v. Chr.), erstellte einen astrometeorologischen
Kalender traditioneller Art, der auf Hesiod zurückging. In ihm wurden
erwartete Wetterbedingungen mit astronomischen Ereignissen wie dem
Auf- und Untergang von Sternen und Sternbildern in Verbindung
gebracht. Leider ist Hipparchos' Kalender heute verloren gegangen.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es noch bei weiteren
Philosophen aus dem antiken Griechenland zu einigen Erwähnungen über
die Meteorologie kam, die oftmals dieselben Inhalte wie bei den hier
beschriebenen Philosophen hatten und an dieser Stelle nicht
detailliert genannt werden.

Zum Abschluss dieses Artikels und der darin beschriebenen Zeitperiode
geht der Blick weit nach Osten: In einigen klassischen Werken aus dem
alten China sind meteorologische Inhalte überliefert. In der Arbeit
"Tao Te Ching", mutmaßlich verfasst vom chinesischen Philosophen
Laozi oder auch Laotse, der im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben
soll, heißt es, "ein starker Wind kann nicht den ganzen Morgen wehen
und ein heftiger Regen kann nicht einen ganzen Tag andauern."

Etwa 1900 Jahre nach Yu dem Großen (siehe Teil 1 der Geschichte der
Meteorologie) herrschten am Gelben Fluss im Chinesischen Kaiserreich
weiterhin Überschwemmungen in regelmäßigen Abständen. Diese im
wahrsten Sinne des Wortes einzudämmen und einen Ausgleich zwischen
Trocken- und Hochwasserperioden herzustellen, war das Lebenswerk von
Bing Li, Regent von Shu (heute bekannt als Sichuan), der um 250 v.
Chr. lebte. Lis größte Errungenschaft war der Bau des ersten
Staudamms an einem Ort namens Dujiangyan. Der Staudamm war Teil eines
Projekts zur Umleitung des Minjiang, eines Nebenflusses des
Jangtsekiangs. Das umgeleitete Wasser wurde in eine Reihe von
Überläufen und Kanälen geleitet, die in Dürrezeiten zur Bewässerung
der Felder geöffnet und bei Hochwasser geschlossen werden konnten. Li
ließ drei Steinfiguren in Form von Männern, die die Götter des
Hochwasserschutzes darstellten, als Pegel auf den Feldern aufstellen.
Waren ihre Füße zu sehen, ging man von einer Dürre aus, und die
Schleusen wurden geöffnet, um Wasser hereinzulassen. Waren ihre
Schultern unter Wasser, war das Hochwasser zu hoch gestiegen, und die
Schleusen wurden geschlossen.

Auch in Indien entstanden zu dieser Zeit Schriften wie die
"Upanishaden", die zwischen etwa 800 und 200 v. Chr. aus älteren
Überlieferungen niedergeschrieben wurden. Sie beinhalten
Erläuterungen zu den Prozessen der Wolkenbildung und des Regens. Sie
beschreiben Jahreszeitenzyklen, die durch die Umlaufbahn der Erde um
die Sonne bedingt sind. Das bedeutende indische Epos Mahabharata, das
ab 400 v. Chr. aufgezeichnet wurde, beschreibt in Versform die
Ankunft des indischen Sommermonsuns: "und dann (der Gott des Donners
und des Blitzes), den Kadru so sehr verehrte, bedeckte das gesamte
Firmament mit gewaltigen Wolken. Und diese Wolken, vom Blitz erhellt,
donnerten unaufhörlich am Himmel gegeneinander und kochten eine Fülle
von Wasser. Und infolge der unzähligen Wellen, die durch den heftigen
Regenguss, das laute Donnern der Wolken, die Blitze, den heftigen
Wind und das allgemeine Brodeln hervorgerufen wurden, glich der
Himmel einem rauschhaften Tanz. Der Himmel ist vollständig von Wolken
bedeckt, und die Sonnenstrahlen sowie der Mond verschwinden infolge
dieses Aufruhrs ? und Wasser bedeckt die Erde überall." Im gleichen
Werk wird auch ein Sandsturm beschrieben.

Sie sehen, schon vor der christlichen Zeitenwende gab es umfangreiche
Vorstellungen vom Wettergeschehen und spannende Entwicklungen, die
nun auch in Aufzeichnungen vorliegen. Diese Serie wird fortgesetzt
und wir blicken dann auf die Entwicklung der Meteorologie in der Zeit
des Römischen Reiches, die Weiterentwicklung im antiken China sowie
Erkenntnisse zur Meteorologie im europäischen Frühmittelalter.


Dipl.-Met. Markus Eifried

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.04.2026

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