Lese Daten.....

Wetterspruch des Tages
Dezember, veränderlich und lind, ist der ganze Winter ein Kind.

Das Wetterthema

herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am 13.12.2017

Historische Waldbrände in Kalifornien

In Kalifornien spielen sich zurzeit schlimme Szenen ab. In den
Bezirken Santa Barbara und Ventura im Süden des US-Bundesstaates
brennen Wälder, Büsche, Wiesen und sogar ganze Siedlungen auf einer
Fläche von mehr als 900 Quadratkilometern ? das entspricht in etwa
der Fläche Berlins. Damit wuchsen die Waldbrände zu den fünftgrößten
der Geschichte an. Insgesamt gefährden die Brände rund 20 000
Gebäude, knapp 1000 wurden bereits zerstört, was sie zu den
zehnt-zerstörerischsten in der langen Waldbrand-Historie Kaliforniens
machen. Der finanzielle Aufwand, der für den Kampf gegen das Feuer
bis dato geleistet wurde, beläuft sich auf fast 40 Millionen Dollar.
Und ein Ende scheint nicht absehbar.

Waldbrände in Kalifornien sind - nüchtern betrachtet - nicht mal
etwas Ungewöhnliches. Das Klima nahe der südkalifornischen Küste kann
als "Mittelmeerklima" klassifiziert werden. Trocken-heißen
Sommermonaten stehen also feucht-milde Wintermonate gegenüber. Dies
führt dazu, dass die Flora im Herbst besonders ausgetrocknet ist.
Dazu kommt ein vornehmlich im Spätherbst und Winter regelmäßig in
Erscheinung tretender, trocken-warmer Föhnwind namens
"Santa-Ana-Wind". Er ist Resultat von Luftströmungen, die vom
hochgelegenen Großen Becken zwischen den Rocky Mountains und der
Sierra Nevada Richtung Pazifik gerichtet sind. Die anfänglich kalte,
nach Überquerung der Mojave-Wüste aber bereits sehr trockene und
"schwere" Luft fällt auf ihrem Weg zur Küste schnell und stark ab,
erwärmt sich dabei und wird durch enge Canyons sogar noch
beschleunigt. Dieser nun extrem trockene Wind entzieht der Flora
weiter Wasser. Die Kombination von Trockenheit, Hitze und auflebenden
Santa-Ana-Winden machen Kalifornien besonders im Herbst anfällig für
Waldbrände.

Warum aber sind die derzeitigen Waldbrände so gewaltig? Natürlich
liegt der Verdacht nahe, dass ganz besondere meteorologische
Bedingungen die Ausbreitung der Brände begünstigen. Tatsächlich
beobachten die Meteorologen vor Ort ein nicht ungewöhnlich starkes,
aber sehr langanhaltendes "Santa-Ana-Wind"-Event. Bereits am 4.
Dezember fachten kräftig auflebende und ablandige Winde erste größere
Waldbrände nördlich von Santa Paula an. Die Winde halten mit
wechselnder Intensität bis heute an und die Meteorologen des
amerikanischen Wetterdienstes gehen davon aus, dass sie auch bis zum
kommenden Wochenende nicht gänzlich abflauen werden. Damit würde die
laufende Periode ablandiger Winde zu den längsten seit Beginn der
Aufzeichnungen 1948 gehören. Darüber hinaus setzte der ersehnte und
im Dezember eigentlich typische Winterregen noch nicht ein. Somit
trifft die immer noch ausgetrocknete Natur auf die "Hochsaison" der
Santa-Ana-Winde ? eine wahrlich explosive Kombination.

Es sind aber nicht nur natürliche Faktoren, die die Waldbrände zu
historischen machen. Sie sind sehr wohl auch das Produkt menschlichen
Handelns. Da wären zum einen die immer stärker wachsenden und
zahlreicher werdenden Siedlungsräume in den bewaldeten Gebieten zu
nennen. Verständlicherweise ziehen diese Siedlungen die
Aufmerksamkeit der Feuerwehr auf sich. Während sich der
Katastrophenschutz vornehmlich auf den Schutz dieser Siedlungen und
der in ihnen lebenden Bevölkerung konzentriert, können sich die
Brände im Umland quasi ungehindert ausbreiten. Des Weiteren macht
sich der globale und erwiesenermaßen auch durch den Menschen
mitverursachte Klimawandel in Kalifornien besonders bemerkbar, indem
dort warme Phasen immer wärmer und länger werden und somit den Effekt
von Trockenperioden deutlich verstärken. Glaubt man den meisten
Klimamodellen, ist in Zukunft aufgrund von Änderungen in der
großräumigen Luftzirkulation zudem mit einer tendenziellen
Verlängerung eben jener Trockenperioden zu rechnen. Waldbrände würden
demnach nicht nur häufiger werden, sondern auch immer weiter
nordwärts ausgreifen.

Am Ende bleibt zu erwähnen, dass es sagenhafte 95 % der Waldbrände
völlig unabhängig von den natürlichen Begebenheiten ohne den Menschen
erst gar nicht geben würde. Es ist nämlich genau der Anteil der
weltweit dokumentierten Brände, der WWF-Studien zufolge auf
Fahrlässigkeit und vorsätzliche Brandstiftung von Menschen
zurückzuführen ist. Angesichts der schlimmen Bilder aus Kalifornien
erübrigt es sich an dieser Stelle, an Vernunft und gesunden
Menschenverstand zu appellieren.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.12.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst